Alle paar Monate wieder…

treffen sich ein paar liebe Freunde bei mir zu Hause und werden kulinarisch verwöhnt. Das Ergebnis sind jedes Mal fantastische, lustige und verführerisch leckere Stunden, die meist viel zu schnell vergehen. Als ich dieses Jahr im Sommer in Dresden war und einen Krimi gelesen habe, den mir die liebe Maria geliehen hatte, ist es passiert: Ich habe das Buch im Restaurant liegengelassen und weiß bis heute nicht, wer der Mörder war. Ein Skandal! Ersatz musste beschafft werden und ich begab mich ins Internet, wo mir durch Zufall einige Krimidinner-Spiele vorgeschlagen wurden. Damit war meine Neugier sehr schnell geweckt, wenngleich mich der Preis von knapp 30€ für einen einmaligen Spielspaß doch zunächst abgeschreckt hat. Nach stundenlanger Recherche in gefühlten tausend Angeboten siegte allerdings die Liebe zu Frankreich und ich entschied mich für Le Dîner Mortel aus dem Verlag KrimiKüche. Wenige Tage später konnte ich das Päckchen auch schon aus dem Briefkasten holen und erste Eindrücke sammeln.

Ich fand im Päckchen eine Kurzbeschreibung, Einladungen, Beweiskärtchen, die Auflösung sowie die Spielhefte. Anhand der Kurzbeschreibung konnte ich die Rollen gut verteilen und alles weitestgehend vorbereiten. Allerdings war noch immer alles ein großes Rätsel, da vom Inhalt ja nichts bekannt sein durfte und auch die Spielhefte erst am Abend des Dinners verteilt werden dürften. Sechs Personen mussten es sein, 3 Frauen und 3 Männer. In Ermangelung des dritten Mannes sprang eine Freundin liebevoll ein und übernahm die Rolle des dubiosen Gärtners Alain Dubois.

Worum geht es nun aber (Klappentext des Spiels):

Speisen und Sterben wie Gott in Frankreich

Cognac im Jahr 1938: die Herrschaften haben das Anwesen über das Wochenende verlassen. Diesen Anlass wird das verbliebene Hauspersonal nutzen, um sich mit einem prunkvollen Dinner zu verwöhnen. Vom Butler bis zum Zimmermädchen. Alle bereiten sich auf das opulente Mahl vor. Doch plötzlich durchschneidet ein Revolverschuss die vor freudige Stimmung im Haus. Alles eilt zum Bedienstetenflügel und stellt mit Entsetzen fest: Hélène Criminelle, die Hausdame, wurde ermordet!

Veranstalten sie zu Hause mit ihren Freunden ein französisches Dinner – mit Mord pikant gewürzt. Schlüpfen sie in die Rollen der sechs verdächtigen Hausangestellten und ermitteln Sie gemeinsam, wer aus Ihrem Kreis zum Mörder wurde!

 

Soweit so gut. Die Rollen waren verteilt und alle waren mehr als neugierig auf das, was da kommen würde. Aber vor mir lag noch eine große Aufgabe: Menüfolge und Deko. Es muss etwas gekocht werden, das vier Gänge umfasst, hübsch aussieht und dazu noch passend französisch ist, im Umkehrschluss allerdings so wenig Aufwand verlangt, dass das Spiel nicht ewig verzögert wird.

Rettung nahte: Heidi, eine der Gäste, bot an, eine Kürbiscremesuppe zu machen und Maria und Martin steuerten das Dessert  – eine klassische Mousse au Chocolat bei. Für mich blieben noch die zweite Vorspeise und der Hauptgang. Ich entschied mich für einen Feldsalat mit caramelisierter Birne und Brie und ein flämisches Biergulasch mit Semmelknödeln. Die Rezepte findet ihr weiter unten.

Für die Deko sorgte der Herbst fast allein, rotes Weinlaub und Zierkürbisse, dazu noch eine Lichterkette mit kleinen Eiffeltürmen, Geschirr und Gläser verliehen dem Ganzen einen festlichen Touch. Auf einem kleinen Beistelltisch mit einer Tischlampe in Form des Eiffelturms servierte ich zu Beginn einen Aperitif (Wahlweise Gin Tonic oder Martini Tonic – nicht ganz stilecht, aber genial). Und auch die Raumbeleuchtung war in sanftem Blau, Weiß und Rot gehalten. Im Hintergrund gab es Musik von Charles Aznavour und gemischte Chansons.

Gestatten: Isabelle Blanc

Nachdem die Deko und das Essen geplant waren, konnte ich mich ans persönliche Feintuning machen. Neben der kurzen Rollenbeschreibung bekam nämlich jeder auch noch einige Hinweise für die abendliche Kleiderordnung. So war ich das Zimmermädchen des Hauses, das sich gern mit den feinen Kleidern und dem Schmuck der Madame schmückte, sobald diese außer Haus war und nebenbei noch gern den edlen Tropfen des Monsieur zusprach. Denke, ich habe es ganz gut getroffen. Aber meine Mitstreiter waren genauso phänomenal: Vom Butler in Frack und mit weißen Handschuhen, dem dubiosen Gärtner über das züchtige Kindermädchen bis hin zur feschen Köchin und dem smarten Beikoch haben alle ihre Rollen samt Kostüm meisterlich gefüllt.

Entrée: Kürbissuppe à la Heidi

– leider ohne genaue Mengenangaben-

Kürbis

eine Zehe Knoblauch

!öhren

Kartoffeln

Ingwer

Kokosmilch

 

Die Zutaten würfeln. Kürbis, Knoblauch, Möhren und Ingwer leicht anrösten.  Mit Gemüsebrühe ab löschen. Nicht zu viel Flüssigkeit nehmen! Kartoffeln dazugeben und mit Muskat, Pfeffer, Salz, Curry würzen. Ein wenig Zucker dazugeben, um den Kürbisgeschmack zu unterstützen. Alles kochen lassen bis das Gemüse weich ist. Dann je nach Geschmack und Mängel die Kocos Milch dazugeben. Die Suppe pürieren und abschmecken.

Zweite Vorspeise: Feldsalat mit karamellisierten Birnen und Brie

2 kleine Birnen

4 EL Olivenöl

1 TL Honig

Salz

Pfeffer

1/4 TL getrockneter Thymian

200g Feldsalat

100g blaue Weintrauben, kernlos

2 EL Walnusskerne

120g Brie

2 EL Weißweinessig

1 TL Senf

Birnen putzen, waschen, vierteln, entkernen und in Spalten schneiden. Einen Esslöffel Öl in einer Pfanne erhitzen.  Birnen spalten zugeben, mit Honig beträufeln und 5 Minuten unter Wänden bei mittlerer Hitze karamellisieren lassen. Mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen. Aus der Pfanne nehmen und beiseite stellen.

Inzwischen Feldsalat putzen, waschen und trocken schütteln. Weintrauben waschen, halbieren und entkernen. Nüsse grob hacken, Brie in Scheiben schneiden.

Restliches Öl mit Essig und Senf verquirlen und mit Salz und Ferver würzen. Feldsalat mit Brie, Birnen und Weintrauben anrichten, mit Dressing beträufeln und Nüsse darüber streuen.

Dieses Rezept stammt aus der Zeitschrift EatSmarter (5/2018)

Carbonade flamande – flämisches Biergulasch

3 Zwiebeln

600 g Rindergulasch

30 g Butter

1 EL Karamellzucker

1 EL Weissweinessig

1 EL Mehl

300 ml Rinderfond

0,35 l dunkles Bier

1 Nelke

1 Kleines Bouquet Kräuter

6 Scheiben Lebkuchen

1 großer EL scharfer Senf

Salz und Pfeffer

Dieses Rezept reicht für circa drei Personen. Ich habe als Schwarzbier ein Sternquell dunkel genommen und die Menge der Zwiebeln verändert. Als Senf habe ich einen Dijonsenf genommen.

Zwiebeln werden in dünne Scheiben geschnitten, das Fleisch in circa 5 cm kleine Würfel. Das Fleisch wird mit der Butter in einem Kochtopf angebraten und gebräunt. Dann kommt die Zwiebeln dazu. Wenn diese schön angeschwitzt sind, den Karamellzucker zugeben und rühren, bis die Zuckerkristalle sich aufgelöst haben. Anschließend mit dem Weißwein Essig ablöschen.

Wenn man keinen Karamell Zucker besitzt, kann man diesen herstellen, in dem man Zucker in einer trockenen Pfanne karamellisieren. Den flüssigen Karamell Zucker dann einfach auf das Fleisch geben.

Um die Sauce zu binden, wird jetzt das Mehl darüber gestreut und alles wird ordentlich verrührt. Für die Sauce wird der Rinderfond und das Bier hinzugegeben und die Nelke sowie die Kräuter dazugegeben.  Die Lebkuchenscheiben bitte mit Senf bestreichen und auf dem Gericht platzieren. Danach wird alles mit einem Deckel abgedeckt und mindestens 2,5 Stunden bei sanfter Hitze köcheln gelassen. Am Ende nach Belieben mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dieses Rezept orientiert sich an dem Rezept für das flämische Biergulasch aus dem Buch: Französich kochen mit Aurélie. Es wurde etwas frei angepasst und verfeinert.

Mousse au Chocolat 

100g Zartbitterschokolade

40g Butter

2 Eier

30g Zucker

Die Schokolade mit der Butter in einem Topf auf dem Wasserbad schmelzen. Die Eier trennen und das Eiweiß zu Schnee schlagen. Am Ende den Zucker zugeben und noch mal schlagen, damit er fest bleibt. Das Eigelb in die geschmolzene und leicht abgekühlte Schokolade rühren.

Ein Drittel des Eischnee es in die Schokolade einarbeiten, und den Rest vorsichtig unterheben. Das Ganze mindestens 1 Stunde kaltstellen. Danach ist die Mousse bereit zum Verzehr.

Maria und Martin haben das Ganze mit einem phänomenalen Himbeerspiegel verfeinert, der sicher auch mit einem Hauch Chili zu genießen wäre.

Während jedem der vier Gänge erfuhr man mehr über die einzelnen Personen, ihre Hintergründe, Vergangenheit sowie Motive und Beziehungen. Wie ein Puzzle vervollständigt sich das Gesamtbild Stück für Stück, wobei es dabei besonders auf das geschickte Stellen von Fragen, ziehen von richtigen Schlüssen und das Erzeugen von Verknüpfungen ankam. Jeder Gast erfuhr andere Informationen und musste diese geschickt ins Spiel einbauen und die Karten gezielt ausspielen. Das Ganze musste natürlich unter absoluter Diskretion geschehen. So durften nur besonders wenig Informationen über die eigene Figur ins Spiel gebracht werden, es sei denn es wurde gezielt  danach gefragt. Alle Personen waren der Wahrheit verpflichtet, außer der Mörder.  Nach der vierten und letzten Runde gelang es schließlich nur Maria, den Mörder dingfest zu machen und dazu noch das richtige Motiv zu finden.

Wir hatten einen wundervollen Abend, der rein an Spielzeit 4 Stunden gedauert hat. Es war absolut lustig, verzwickt, spannend und auch verwirrend, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Einig waren wir uns schnell dahin, dass es definitiv eine Wiederholung eines solchen Krimi Dinners geben wird. Das Team der Krimi Küche hat eine wirklich tolle Vorlage geliefert und eine Story die uns zum Lachen brachte, unterhielt, und auch bis zur letzten Seite in Atem hielt.  Der Preis von knapp 30 € ist denn Vergnügen dabei komplett angemessen, wenn man sieht welches Ergebnis man am Ende gemeinsam erzielt: nämlich einen phänomenalen Abend mit Freunden.

 

Le Dîner Mortel

Krimi Küche

Dauer: ca. 4 Stunden

Altersempfehlung: ab 16 Jahren