„In meinem Spanischkurs heißt schon jemand XYZ“ – Warum Lehrerkinder nicht so leicht zu ihren Namen finden

Es ist kein Geheimnis mehr… in wenigen Wochen oder Tagen, oder vielleicht schon heute oder morgen, werde ich Mama. Ich freue mich sehr auf meinen Knirps. Alles ist vorbereitet: das Kinderbett steht, die Wickelkommode ist präpariert und der Schrank ist mit den ersten Anziehsachen gefüllt. Alles ist bereit… das heißt FAST alles.

Es gibt da nämlich eine Frage, die mir immer wieder die Schweißperlen auf die Stirn treibt.

„Na? Habt ihr schon einen Namen?“

„Ähm ja, also… wir haben zumindest schon mal einen Nachnamen…*peinliches Lächeln*“

Die meisten Leute denken dann, wir wollen den Namen nur nicht verraten. Aber so ganz richtig liegen sie nicht… Es ist einfach so, dass ich das Gefühl habe, wir haben DEN Namen noch nicht gefunden. Irre – 20 Tage vorm errechneten Geburtstermin…

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„Man weiß erst, wie viele Menschen man nicht leiden kann, wenn man einen Namen für sein Kind sucht“

So oder so ähnlich ist es bei uns. Seit 4 Jahren arbeite ich als Lehrerin. Davor habe ich unzählige Praktika gemacht. In meiner Fächerkombination habe ich etwa 12 Klassen pro Schuljahr. Eine Klasse hat etwa 25 Schüler bei uns. Das macht 300 Schüler pro Schuljahr. Davon also etwa 150 Jungs. 4 Jahre an 3 Schulen macht daraus 600 Jungs. Das sind 600 Namen, die für mich ehrlich gesagt schon mal aus dem Rennen sind.

Mein Mann hat das Spiel mittlerweile aufgegeben. Sag mir einen Namen und ich sage dir eine Charaktereigenschaft.

„Was hältst du von Anton?“

„So heißt der Klassenbeste in meinem Spanischkurs. Der bildet sich dann noch was drauf ein, oder die anderen sind neidisch.“

„Und Lukas?“

„Ähm nein…“

„Warum nicht.“

„Das willst du nicht wissen – glaub mir. Ich will nur nicht dass UNSER Kind so wie DIESES Kind wird.“

„Ich geb’s auf…“

Haltet mich für blöd… aber so war es… bestimmt 20 Mal.

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Klar, es gibt Ratgeber. 3000 Jungennamen. Ich habe es durchgelesen… Vom ersten bis zum letzten Namen. Es ist wie neu. Braucht es jemand? Einen Namen? Nein, den habe ich nicht gefunden.

Und dann im Freundeskreis unter den Mitschwangeren: „Wir haben uns für XYZ entschieden. Das bedeutet BLABLABLA.“ Ui wie toll, Namen mit Bedeutung. Ich habe nicht mal einen ohne Bedeutung…

Oder meine Kollegin: „Wir haben uns für einen italienischen Namen entschieden. Schließlich bin ich Italienischlehrerin.“ Prima Idee. Vielleicht finden wir auch einen spanischen oder französischen Namen. Da ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass meine Schüler so heißen.

„Hey Schatz, ich habe mal eine Liste mit spanischen und französischen Namen gemacht. Gefällt dir davon einer?“

„Ähm, nein. Die sind alle merkwürdig. Ich möchte was einfaches. Wir haben schließlich auch einen kurzen und schlichten Nachnamen.“

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Nach Mooooonaten haben wir einen Kompromiss. Es ist ein schöner Name. Es steht nichts auf der Negativliste. Kein Schüler oder Bekannter heißt so. Er passt zum Nachnamen, weil er mit den gleichen Buchstaben anfängt und endet, wie der Name vom Papa. Er hat eine schöne Bedeutung und tada: Der Name ist spanischen Ursprungs und wir haben uns auf die französische Schreibweise geeinigt.

Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass es noch nicht DER Name ist. Verzwickt… 🙁