Giuseppe Verdi – Luisa Miller

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Letzten Samstag war es endlich soweit: Premiere von Luisa Miller am Vogtlandtheater in Plauen. Eigentlich war es ja die B-Premiere, da es in Zwickau schon eine Weile läuft. Das tut der Sache jedoch keinen Abbruch. Viel mehr Sorge machte allen die Erkältungswelle, die das Ensemble seit Dezember fest im Griff hat. Zum Glück blieben alle Soli gesund, aber im Chor fehlten knapp 10 Leute. Aushilfen mussten her – gar nicht leicht bei einer Oper, die nur relativ selten zur Aufführung kommt. Aber zwei kamen zum Premierentag extra aus Hamburg eingeflogen, sodass alles gut von der Bühne ging.

Luisa Miller

Miller: Shin Taniguchi, Luisa: Sonja Westermann (Foto von Peter Awtukowitsch)

Die Oper

Drei Worte reichen eigentlich aus, um diese Oper Verdis zu beschreiben:

Liebe – 1. Akt
Die junge und schöne Luisa (Sonja Westermann) feiert mit ihrem Vater (Shin Taniguchi), ihrem Geliebten (Jason Kim) und den Freunden und Nachbarn ihren Geburtstag. Der Vater ist dem Geliebten der Tochter gegenüber sehr misstrauisch, will Luisas Hand aber auch nicht dem dubiosen Sekretät Wurm (Igor Levitan) zur Frau geben, da diese ihre Liebe frei wählen solle. Was keiner wusste: Der Geliebte Luisas ist kein Geringerer als Rodolfo, der Sohn des Grafen Walter (Karsten Schröter). Dieser wiederum will Rodolfo mit der Herzogin Federica (Johanna Brault)verheiraten. Als der Abend der Verlobung naht, gesteht Rodolfo dieser, in eine andere Frau verliebt zu sein. Daraufhin geht er zu Miller, gibt sich zu erkennen und bittet um die Hand Luisas. Der Graf will dies nicht akzeptieren und will Luisa und ihren Vater gefangen nehmen. Rodolfo verhindert zumindest die Festnahme Luisas.

Luisa Miller

Luisa: Sonja Westermann, Wurm: Igor Levitan (Foto von Peter Awtukowitsch)

Intrige – 2. Akt
Luisa erfährt von der Inhaftierung des Vaters und wird von Wurm erpresst. Ihr Vater wird nur am Leben bleiben, wenn sie einen Brief an Rodolfo schreibt und darin ihrer Liebe abschwört. Um das Ganze noch zu verstärken, bringt Wolf Luisa zur Herzogin, vor der sie das Spiel weiterspielen muss. Rodolfo erhält den gefälschten Brief und versöhnt sich gekränkt wieder mit dem Vater, der erneut zur Ehe mit der Herzogin drängt.

Luisa Miller

Rodolfo: Jason Kim, Federica: Johanna Brault (Foto von Peter Awtukowitsch)

Gift – 3. Akt
Luisa ist verzweifelt und will Selbstmord begehen, wird aber von ihrem Vater davon abgehalten. Beide planen, am kommenden Tag der Stadt für immer den Rücken zu kehren. Unterdessen kommt Rodolfo,um sich an Luisa zu rächen. Während er sie bedrängt, um zu erfahren, ob ihre Liebe zu Wurm wirklich echt sei, reicht er ihr Gift und trinkt es selbst auch. Luisa bleibt zunächst bei ihrer Aussage, bis Rodolfo gesteht, dass er sie beide vergiftet hat. Dann eröffnet sie ihm die Wahrheit über die Intrige. Die Väter können den Tod ihrer Kinder jedoch nicht mehr verhindern.

Luisa Miller

Rodolfo: Jason Kim, Luisa: Sonja Westermann  (Foto von Peter Awtukowitsch)

Der Opernabend:

Schillers „Kabale und Liebe“ bilden, wenn auch in damals zensurbedingt zurechtgestutzter Form , die Grundlage für Verdis „Luisa Miller“ (Libretto: Salvatore Cammarano), eine Oper, die in unserer Zeit nur sehr selten auf den deutschen Bühnen zu finden ist. „Warum?“, frage ich? Aufführungen finden sich in Berlin 1927, Wien 1930 oder in Zürich 1938. Warum aber nur so selten und gar kaum im deutschen Raum. Das Werk besitzt alles, was Opernfreunden den perfekten Abend bescheren kann: Eine schlüssige und gut ausgebaute Handlung, das nötige Drama, bezaubernde Melodien und Arien zum Niederknien. Dem Musiktheaterdirektor Jürgen Pöckel ist es nun zu verdanken, dass es dieses Werk auf unsere Bühnen in Plauen und Zwickau geschafft hat – und das auf eine Weise, an der es nichts außer Lob zu finden gibt. Regie führte Thilo Reinardt, der im Haus schon wunderbar „Joseph Süß“inszeniert hatte. Ein Hauch früherer 50er Jahre lag in der Luft, als die Damen und Herren in angedeuteter Rock’n Roll Manier Luisas Geburtstag feierten. Gewagt? Nein, denn es ergab sich im Folgenden eine fesselnd konsequente Regieführung, die den Abend zu einer komplett runden und in sich geschlossenen Sache machte. An seiner Seite dabei Luisa Lange, die sich für Bühne und Kostüme verantwortlich zeigt. Luisa kenne ich schon seit ihren ersten Tagen an unserem Haus und kann wiederholt nur sagen: Hut ab vor dieser Leistung. Da entstanden mit relativ geringer Kulisse und fantastischer Beleuchtung wahre Bilderwelten, die einfach nur faszinierend und traumhaft waren. Wahrlich ein goldener Griff für diese Inszenierung.

Luisa Miller

Federica Johanna Brault. Il conte di Walter Karsten Schröter, Ensemble (Foto von Peter Awtukowitsch)

Identitätsfragen stehen im Zentrum um das große Thema der dramatischen Liebe: Wer ist man? Wer will man sein? Was will man erreichen? Zentrale Fragen, die auf der Bühne gestellt und von den jeweiligen Charakteren verkörpert werden. In einer von Gegensätzen regierten Welt agieren die Charaktere, die individueller und klarer nicht gezeichnet sein könnten. Liebe stirbt, das Böse überlebt – ein Ausgang, der Triumph und Versagen zugleich sein kann. Wir haben das kleine Haus der Millers im Vergleich zu einem pompösen Festsaal im Hause des Grafen (meine Lieblingsbilder in der Oper) und die unendlichen Weiten des Horizonts. Brillant war es auch, die Handlung quasi von Hinten her aufzurollen: Alles beginnt und endet am Grab der Kinder. In der Ouvertüre sieht man schon die Väter an den Gräbern knien und am Ende ergibt sich dasselbe Bild. Ein wahnsinnig kluger Schachzug der Regie!

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Luisa: Sonja Westermann, Rodolfo: Jason Kim, Ensemble (Foto von Peter Awtukowitsch)

Das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau brillierte unter der Leitung von GMD Lutz de Veer mit großer klanglicher Qualität und vermittelte Verdis Melodien auf nahezu perfekte Art und Weise. Technisch perfekt brillierte Sonja Westermann in der Hauptrolle der Luisa Miller. In beeindruckender Höhe und Klarheit meisterte sie die anspruchsvollen Koloraturen und vermittelte eine wundervolle Ausgestaltung der Rolle. Genauso auch ihre Kontrahentin Federica, die von Johanna Brault verkörpert wurde. Beschränkt auf wenigere Szenen füllte sie den Abend sowohl spielerisch als auch stimmlich komplett und mehr als überzeigend aus und bestach mit einer wahrlich bedrohlichen Kühle in der Ausstrahlung, die der Rolle der Herzogin mehr als gerecht wurde. Jason Kim als Rodolfo verging in Liebe zu Luisa. Bedingungslos wollte er das einfache Mädchen lieben und wurde Opfer der Intrige. Genau wie die Liebe, verkörperte er auch die Verzweiflung in einmaliger Brillanz. Ebenso glänzte Shin Taniguchi in der Partie des Vaters in gewohnter einmaliger stimmlicher Qualität. Imposant auch Karsten Schröter, mein persönlicher „Bad-Boy“ des Musiktheaters. Die intriganten und bösen Rollen stehen ihm einfach nur gut zu Gesicht. Stimmlich füllt er diese auch mit seinem angenehmen Bass aus. Als letzter sei Igor Levitan zu erwähnen, der das hauseigene Ensemble gastierend in der Rolle des Wurm sowohl stimmlich als auch spielerisch bereicherte.

Luisa Miller

Rodolfo: Jason Kim (Foto von Peter Awtukowitsch)

Summiert man dies alles, erhält man einen qualitativ sehr hochwertigen Opernabend, der den Großstädten in keinster Weise nachstehen muss, ein brillantes Ensemble von immenser Qualität und Stimmgewalt, das durch ein harmonierendes  Orchester begleitet wird, sowie einen starken Chor. All dies in einer wunderbaren Kulisse vereint und perfekt ausgeleuchtet. Ja, die Beleuchtung muss hier einfach explizit erwähnt werden, denn die Jungs erzeugten einfach einmalige Stimmungen.

Ein verdienter fulminanter Applaus, fliegende Blumensträuße und ein toller Premierenempfang waren das wohlverdiente Ende dieses einfach perfekten Opernabends. der einmal mehr zeigte, dass es sich lohnt, auch so manche Rarität auf die Bühne zu bringen.

Mehr Infos zur Oper und zum Theater unter: http://www.theater-plauen-zwickau.de