achtung buch: Der Weg des Bogens von Paolo Coelho

Das Schönste am Leben ist die Freiheit – Ein Tag mit Paolo Coelho

 

Endlich Ferien, naja genaugenommen ist über die Hälfte der schönen Zeit schon wieder vorbei. Noch etwa 2,5 Wochen bleiben, bevor in Sachsen das neue Schuljahr beginnt und eine Vielzahl neuer Überraschungen mich erwarten. Doch bis dahin wird noch viel Kraft getankt, entspannt und die Seele baumeln gelassen und unser neuer Blog genau inspiziert, bearbeitet und in vollen Zügen genossen.

Ferien, Sommer, Urlaub. Die schönsten 1,5 Monate Freiheit im Leben des Lehrers. Haha und gleich muss ich diese Seifenblase platzen lassen. Lehrer haben nicht immer frei und schon gar keine 6 Wochen Urlaub wie die Kids. Die erste und die letzte Woche sind definitiv Dienst mit Anwesenheitspflicht in der Schule und auch während der verbleibenden vier Wochen gibt es genug zu tun. Aber ich will mich nicht beschweren, es ist mein Traumberuf, der mich erfüllt und dem ich gerne mit vollem Herzblut nachgehe, auch wenn das letzte Schuljahr schon sehr an den Kraftreserven gezehrt hat.

Umso wichtiger ist es, einen Ausgleich zum Berufsalltag zu finden. Für mich ist ein großer Aspekt dafür das Bogenschießen geworden. Seit Mai praktiziere ich diesen wundervollen Sport mit einer lieben Freundin und Kollegin und muss sagen, dass ich von der Wirkung absolut begeistert bin. Es stärkt nicht nur den Körper, sondern befreit auch den Geist ganz immens. Egal, wie hart der Tag war, die Konzentration auf den Bogen sorgt immer relativ schnell dafür, dass der Körper komplett geerdet wird und man nur noch auf sich selbst fokussiert ist. Nicht auf das Ziel, nein, auf sich selbst.  Wie das, fragt ihr euch? Die Antwort gibt auf ganz besondere Art und Weise Paolo Coelho in seinem kleinen Büchlein „Der Weg des Bogens“, das ich einer anderen lieben Kollegin geschenkt habe, die nächstes Jahr mit dem Bogenschießen beginnen wird und bei der ich einen zauberhaften Nachmittag mit Pfeil und Bogen verbringen durfte.

Nicht das Gold (also die Mitte der Scheibe – normalerweise) ist das Ziel des Schützen, so beschreibt Tsetsuya, der Protagonist des kleinen Büchleins, sondern der Weg des Bogens. Nur wer diesen zu verstehen vermag, wird am Ende ein Meisterschütze sein – mit und ohne Bogen. Doch wie kam es, dass Tsetsuya, der versteckt als Tischler lebt und von dessen Talent niemand etwas ahnt, seine Geschichte zu erzählen beginnt? Eines Tages kommt ein junger Mann in die Stadt, in der der Tischler ein verstecktes und bescheidenes Leben führt und erkennt hinter der Fassade den Meister des Bogens, der von einem Fremden zum Duell herausgefordert wurde und diesen mit nur einem Schuss besiegte. Tsetsuya macht den Jungen daraufhin zu seinem Schüler und beginnt gemeinsam mit ihm den Weg des Bogens zu begehen.

Die Einheit von Bogen, Pfeil und Ziel ist es, die zum Erfolg führt. Doch diese zu erreichen ist schwer. Sicher ist es möglich, einen Pfeil nach dem anderen ins Gold zu schießen, doch das ist absolut nutz- und bedeutungslos. Nur wenn der Mensch mit sich selbst in Harmonie und Einklang ist, kann die wahre Einheit der drei Grundelemente des Bogenschießens zustande kommen.

In der typisch japanischen Ruhe erzählt Coelho seine kleine Geschichte voller Weisheit und Tugend, die mich in jedem Satz zum Lächeln bringt. Denn genau diese innere Harmonie ist es, die man erreicht, wenn man sich aufs Wesentliche konzentriert. Man legt den Pfeil ein, geht in die Vorspannung – Einatmen – man spannt den Bogen, konzentriert sich, ist komplett bei sich – nur bei sich, der Rest der Welt scheint ausgeblendet. Mit dem Ausatmen fliegt der Pfeil. Gerade und präzise zerteilt er die Luft und erreicht sein Ziel. Er hallt nach, langsam entspannt sich der Körper und man kehrt in die Realität zurück. Entspannt und ruhig. Der Weg des Bogens… man kann fast sagen, der Weg, um zu sich selbst zu finden.

 

„Schieße tausend Pfeile ab, und jeder wird dir einen anderen Weg zeigen. Das ist der Weg des Bogens.“

 

Und ich werde diesen Weg nur zu gern weitergehen. Dieses kleine, wundervoll illustrierte Büchlein wird mir dabei mit seiner Fülle an Lebensweisheiten ein treuer Begleiter sein.