Mr. Widows Katzenverleih von Antonia Michaelis

Also… ich weiß ja immernoch nicht… ich meine, was soll das? Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als hier auf dem Tisch auf einmal ein Buch lag mit dem Titel „Mr. Widows Katzenverleih“?

Ich meine K A T Z E N V E R L E I H!

Ich habe echt gedacht Frauchen kommt auf komisch Gedanken. Die weiß doch, dass ich andere nicht mag und dann will sie mich verleihen? Aber meine Angst war unbegründet. In dem Buch geht es zwar um einen Katzenverleih, aber es ist eine spannende Geschichte und kein Ratgeber für zukünftige Verleiher.

Mr. Widow ist ein 80jähriger typischer Engländer, der gern sein Teechen trinkt. Er lebt in einem Haus mit verwunschenem Garten und dort leben mit ihm um die 40 Katzen, die er verleiht. (An den Gedanken kann ich mich nicht gewöhnen… man kann doch nicht seine Katze verleihen!) Zu ihm kommen jedenfalls Menschen, die anscheiend gar nicht wissen, dass sie eine Katze brauchen und können sich eine ausleihen. Das Gute ist, dass die Katzen selber entscheiden dürfen, von wem sie sich ausleihen lassen. Und so bleiben sie mal einen Tag, oder auch eine Woche bei ganz liebenswerten oder auch sonderbaren Menschen – angefangen von einer Oma, die den Katzen vorliest bis zu einem Künstler, der fliegende Nilpferde malt. Aber auch die Katzen haben die unterschiedlichsten Charaktere. Da wäre die Königin von Saba, die gern über allem tront, oder Pelzmütz, die sich auf dem Kopf ihres Ausleihers zusammenrollt. Die Königin von Saba wurde bestimmt nach meinem Ebenbild erschaffen…

~

Wer jetzt aber denkt, das ist die ganze Geschichte, der irrt. 

Denn in einer stürmischen Nacht findet Mr. Widow in einem Papiercontainer einen Wurf Katzen… und eine Frau. Er nimmt kurzhand nicht nur die Katzen, sondern auch die Frau mit und gibt Nancy so die Chance auf einen Neuanfang. Schnell gewinnt sie das Herz der Katzen und auch das vom alten Mr. Widow, auch wenn er es sich nicht gleich eingesteht und so wird sie ihm in der nächsten Zeit eine große Unterstützung. Doch die junge Frau hat etwas zu verbergen und auch Mr. Widows Leben soll aus den Fugen geraten und schon wird die heitere Katzenerzählung fast zu einem Krimi. 

Antonia Michaelis hat hier eine vielseitige Geschichte geschaffen, die von wohliger Wärme bis zur knisternden Spannung alles bereit hält. Sie hat nicht nur wundervolle Katzencharaktere erschaffen sondern auch liebenswerte (und weniger liebenswerte) menschliche Protagonisten. Mr. Widow ist auf jeden Fall ein älterer Herr, den ich auch gern in der Nachbarschaft wohnen hätte – solange er mich nicht verleiht. Der Künstler mit den fliegenden Nilpferden war allerdings nicht so mein Fall. Dafür überzeugt aber jede einzelne Samtpfote. Die sind alle so toll und ich glaube Frauchen wüsste gar nicht wen sie leihen soll – aber sie hat ja eh schon mich.  

Auch wenn die Ausgabe, die wir besitzen ein paar kleinere Fehlerchen hatte, über die wir beim Lesen gestolpert sind, hat mich das Buch auf ganzer Linie überzeugt. Frauchen wollte es gar nicht aus der Hand legen. Und wie ich jetzt weiß, will sie mich auch nicht verleihen. 

Das Buch erschien im Knaur Verlag.