achtung katzenbuch: Homer und ich: Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab von Gwen Cooper

Heute möchte ich euch meinen neuen Kumpel Homer vorstellen. Also eigentlich habe ich es ja nicht so mit Katern, aber ich muss gestehen, dass es Homer tatsächlich geschafft hat meinen ersten Eindruck von ihm zu revidieren.

Aber ihr fragt euch jetzt sicher erst einmal wer Homer ist.

„Glück bedeutet für Homer, Thunfisch frisch aus der Dose zu vertilgen, auf alles zu klettern, was sein Gewicht trägt, mit gespieltem Grimm seine beiden arglosen (und viel, viel größeren) Schwestern zu boxen und im Sonnenlicht zu schlummern, das kurz vor Sonnenuntergang ins Wohnzimmer fällt. Unglücklich ist er, wenn er als Letzter einen Logenplatz neben Mama auf dem Sofa ergattert, wenn sein Katzenklo nicht tadellos sauber ist und wenn er wieder einmal nicht auf unseren Balkon darf […]. Außerdem hasst er das Wort Nein.“ (S. 20 f.)

Homer ist ein schwarzes, kleines Katerchen, dass im Alter von 2 Wochen so krank war, dass ihm beide Augen entfernt werden mussten. Die Tierärztin nähte ihm die Lider zu, sodass er immer aussieht, als ob er schläft.

Wer jetzt aber denkt: Oh… armer, kleiner bedürftiger Kater, der hat Homer noch nicht kennengelernt. Er hat überhaupt keine Probleme sich zurechtzufinden und ist ein echter Wildfang. Daher auch sein mythologischer Name:

„Er war ein kleiner Held auf einer Mission und mehr als das. […] Er war Odysseus und zugleich der blinde Geschichtenerzähler, der Odysseus ersonnen hatte und für den das Leben ein Epos gewesen war, obwohl er nichts sehen konnte. Auf einmal wusste ich, wie mein Kätzchen hieß. »Homer«, sagte ich laut.“ (S. 37)

Und weil die Odyssee des Kätzchens, der mythologischen so ähnelt, leitet Cooper jedes Kapitel passender Weiser mit einem Auszug aus Homers Odyssee ein.

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Ich war von dem Moment an von Homer fasziniert, als ich erfuhr, dass sein Lieblingsspielzeug ein Wurm ist. Denn da haben wir eine Gemeinsamkeit.

„Oft nahm Homer seinen Wurm mit, […] die beiden waren wie Bonnie und Clyde. Bald spielten er und mein Vater gemeinsam mit dem Wurm. Homer warf ihn in die Luft und legte den Kopf ein wenig schräg, während er darauf wartete, dass die Glocke im Schwanz des Wurms ihm dessen genaue Position verriet. Dann schlug er heftig auf den Wurm ein, hielt ihn mit den Vorderpfoten fest und rollte sich auf den Rücken, während er mit den Hinterpfoten wild auf ihn eindrosch, als liefere der Wurm ihm einen erbitterten Kampf. Wenn er das schmuddelige Ding besiegt hatte, trug er es zu meinem Vater und ließ es vor seinen Füßen fallen.“ (S. 125)

Frauchen will jetzt versuchen, ob ich auch apportiere, aber irgendwo hört der Spaß auf…

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Zu seinem Frauchen hat Homer natürlich eine besondere Bindung. Sie ist fast so stark, wie die zu meinem Frauchen, aber natürlich nur fast 😉

Gwen, die mit Mitte zwanzig, nicht wirklich ein zufriedenstellendes Leben führte – sie war firsch getrennt und verdiente kaum genug, um sich eine eigene Wohnung zu leisten – hatte schon zwei Katzen, bevor sie von Homer erfuhr. Trotzdem stand schnell für sie fest, dass Homer das bisherige Trio vervollständigen soll. Als sie sich überlegen musste, wie sie sich zukünftig um ihre drei Samtpfoten kümmern soll, traf sie wegweisende Entscheidungen. Sie fing noch einmal ganz von vorn an – ging zurück zu ihren Eltern und nutzte diese Zeit, um sich eine Karriere aufzubauen, die ihre und die Zukunft ihrer Katzen sichert.

Während Gwens beruflichen Odyssee ist Homer die ganze Zeit an ihrer Seite und meistert Umzug um Umzug. Und er wickelt alle Menschen in seiner Umgebung um seine Samtpfoten. Sogar aus Katzenskeptikern macht er Katzenfreunde. Seine unbestechliche Art beschert ihm einen großen Freundeskreis, doch ein Mann lässt sich nicht sofort von ihm beeindrucken und buhlt nicht wirklich um seine Gunst…

Und auch seine katzigen Mitbewohner Vashti und Scarlett akzeptieren den blinden Wildfang irgendwann. Und das will schon etwas heißen, wo doch Scarlett eine mir fast ebenbürtige Katze ist.

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Das Buch erzählt die vielen aufregenden Episoden, die es halt zu erzählen gibt, wenn man das Leben mit einem blinden Kätzchen meistert. Von ganz profanen Dingen, wie dem Spielen mit Plastiktüten oder Umzügen, erfährt man auch wie gefährlich das Leben in einer Großstadt sein kann und wie Homer den 11.09.2001 unweit des World Trade Centers erlebte.

Auch wenn wir am Anfang einige Seiten lang etwas Bedenken hatten, dass die Geschichte uns nicht umhauen würde, hat sich das zum Ende des Buches als unbegründet erwiesen. Einmal habe ich es in Frauchens Augen sogar glitzern sehen, weil sie so berührt davon war, wie sich alle für den kleinen Homer einsetzten. Da wusste ich, dass sie daran denkt, dass sie es für mich genauso machen würde. Homer hat auch unser Herz erobert!

Homer ist einfach ein cooler Typ!

Trotz des verhaltenen Startes ist dieses Buch für uns eine klare Leseempfehlung!

Das Buch erschien im mvgVerlag und wurde von Martin Rometsch ins Deutsche übersetzt.