Kennt ihr diese perfekten Tage, an denen ihr ausschlafen könnt, weil ja Ferien sind. Tage, an denen ihr das gefühlt erste Mal vom Zwitschern der Vögel geweckt werdet und ein Sonnenstrahl euch an der Nase kitzelt? Genau so ein Tag war der letzte Samstag, an dem ich dieses wundervolle Buch beendet habe. Ein Buch, das einfach für solche Tage gemacht ist. Warum? Schaut euch nur den Einband an: leinengebunden, ein pastellgezeichnetes Bild eines typischen Pariser Geschäfts, im Hintergrund der Eiffelturm und dazu folgendes Zitat im Klappentext:

Eine junge Antiquitätenhändlerin ist auf der Suche nach einem besonderen Cello, und sie findet  – die Liebe.

Hallo? Dieses Buch schreit doch förmlich nach meiner parisliebenden Seele. Doch es ist nicht nur die Suche nach dem Cello, die das Buch spannend macht, viel mehr ist es eine Reihe mysteriöser Diebstähle, die die Antiquariatswelt in Paris in Atem halten. Mittendrin: Anouk, jung, attraktiv und von der Liebe geheilt, seitdem ihr Ex sie beinahe in den Ruin getrieben und an die Grenzen der Existenz gebracht hat. Von diesem Tag an hat sie beschlossen, sich nur noch um ihren Beruf zu kümmern, nämlich um ihren keinen liebevoll geführten Antiquitätenladen, in dem so mancher Schatz auf den ihn bestimmten Besitzer wartet. Denn nicht jedem verkauft Anouk ihre Schätze. Genauso wie jedes Stück eine eigene Geschichte zu erzählen vermag, sind es die Geschichten der Interessenten, die für die junge Händlerin von Wert sind. Nur wenn sie absolut sicher ist, dass die Antiquität in Ehren gehalten wird und ihre Geschichte weiterleben kann, wird sie in die treuen Hände des neuen Besitzers übergeben.

Ein erfüllender Lebensinhalt an sich, wären wir nicht in Paris, wo die Liebe eine große Rolle spielt und wo die wenigen Freunde und die Familie stets in Sorge sind, dass Anouk als alte Jungfer enden könnte. Und wäre da nicht Lilo, Anouks abenteuerlustige Schwester, die sich von einer Romanze in die nächste stürzt und kurzfristig beschließt, einfach mit ihrem aktuellen Lover bei Anouk einzuziehen. Als dann noch der attraktive Tristan Black auftaucht und die Antiquitätenbranche ordentlich aufmischt, scheint Anouks leben endgültig aus den Fugen zu geraten…

Mein wundervoller Antikladen im Schatten des Eiffelturms konnte mich absolut überzeugen – so viel vorab. Rebecca Raisin gelingt es von der ersten Zeile an, die typische Pariser Leichtigkeit in ihren Roman zu verpacken. Unweigerlich steigt einem der Duft nach einem frischen Baguette in die Nase und man hört das Geplapper der Menschen in den vielen kleinen Straßencafés und Bistros, während man Anouk durch ihr Abenteuer begleitet. Und ein Abenteuer ist es wirklich, und das auf mehreren Ebenen. Zum einen begleiten wir Anouk bei ihrem Kampf gegen die Geister ihrer Vergangenheit, die sie in Form ihres Erfreuendes und Konkurrenten noch immer so stark verfolgen, dass eine neue Liebe schier unmöglich scheint. Ablenkung bringen in dem Falle nur die mysteriösen Diebstähle, die ganz Paris in Atem halten. Hat etwa der attraktive Tristan Black etwas damit zu tun, der ihr so charmant den Hof macht? Eine wahre Frühlingsromanze erwartet den Leser, gespickt mit einem Prickeln von Spannung. Perfekte Lektüre für den lauen Abend mit schöner Musik und einem Glas Wein, bei der man liebenswerte Charaktere kennenlernt und aus der man am liebsten gar nicht so schnell wieder auftauchen möchte. Liebevolle Charaktere reichen der wundervollen Kulisse von Paris die Hand und füllen sie mit viel Gefühl und einer ordentlichen Portion Humor, sodass nach dem Weglegen des Buches ein Lächeln und ein wohliges Bauchgefühl zurückbleiben. Ich freue mich sehr auf weitere Bücher von Rebecca Raisin.