achtung buch: Die Schwestern vom Ku’damm von Brigitte Riebe

Oooops I did it again… Bei Brigitte Riebe bin ich einfach ein hoffnungsloser Wiederholungtäter. Logisch, dass es für mich bei „Die Schwestern vom Ku’damm“ kein Halten gab. 

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Das Buch handelt von Berlin im Jahre 1945. Nach dem Ende des Krieges wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich, das dieser Krieg mit sich brachte. Weite Teile der Stadt lagen in Schutt und Asche. Auch das prächtige Kaufhaus der Familie Tahlheim existierte nicht mehr. Die drei Tahlheim-Schwestern Rike, Silvie und Florentine, sowie der Rest der Familie stehen vor dem Nichts. Doch Rike, die Älteste der drei Schwestern, will das Kaufhaus wieder aufbauen. Denn nach dem langen entbehrungsreichen Krieg, wollen sich die Frauen doch von der Tristesse befreien und sich wieder schön zurecht machen. Da muss passende Mode geschaffen werden. Doch während sie ihre zielstrebigen Pläne verfolgt, erfährt Rike etwas, das alles verändern könnte… 

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Wenn ich ein Buch eines Lieblingsautors bespreche, dann frage ich mich manchmal: Was denken wohl deine Leser? Die sind bestimmt der Meinung deine Einschätzung ist total subjektiv, weil es dein Lieblingsautor ist.

Sollten meine Leser so denken, liegen sie aber falsch. Ich kann dennoch einschätzen, ob ich das Buch trotzdem mag, egal von wem es geschrieben wurde. So habe ich beispielsweise schon ehrlich zugegeben, dass ich sehr gerne die Thriller eines bestimmten Autors mag, aber auch fand, dass seine Werke des letzten Jahres nicht an andere Bücher von ihm heranreichen. 

Deshalb darf man mir getrost glauben, wenn ich einfach nur sage „Wow“ und damit den neuen Roman von Brigitte Riebe meine. „Wow“ ist tatsächlich das treffenste Wort, das mir hier einfällt. Aber ich versuche mich daran „Wow“ in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen. 

Während meiner Schwangerschaft hatte mein Wohlbefinden nicht zum Lesen gereicht. Als der Wurm dann da war – und er ist so ein friedlicher Wurm – da dachte ich mir, ich fange mit einem Buch von Brigitte Riebe an. Ich mag einfach ihren Schreibstil unendlich gern und kann ihre Bücher eigentlich in jedem Gemütszustand lesen. Da passte es wunderbar, dass gerade der Auftakt der Trilogie „Die Schwestern vom Ku’damm“ erschienen war – die perfekte Gelegenheit für den Wiedereinstieg ins Lesen. Ich hatte mir vorgenommen immer ein paar Seiten zu lesen, wenn der Kleine schlummert und was soll ich sagen: Mein armes Kind! Kaum hatte er die Augen zu, konnte ich es nicht erwarten das Buch aufzuschlagen, um zu erfahren, wie es weitergeht. 

Ich mag wie Brigitte Riebe Geschichte in Geschichten erzählt. Die Nachkriegszeit wird in diesem Buch so klar nachgezeichnet, als stünde man in Berlin und würde die Trümer mit eigenen Augen sehen. Dabei wird nicht geschönt oder verklärt, sondern tiefgründig recherchiert. Da ich selber Geschichte studiert habe, lese ich eigentlich ungern auf Geschichte gegründete Bücher, aber bei ihr mache ich mir keine Sorgen, weil sie als Historikerin mich mit ihrem Wissen und ihrer Objektivität noch nie enttäuscht hat. So kommen in dem Buch beide Seiten Berlins – Ost und West – zum Tragen und Menschen, die den verschiedenen Überzeugungen anhängen. Es wird hier keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben, oder in Gut und Böse unterteilt, sondern es wird einfach der Verlauf der historischen Entwicklung nachgezeichnet, mit dem sich die handelnden Personen auseinandersetzen.

Vor diesem klar gezeichneten geschichtlichen Hintergrund spielt sich die Geschichte der Familie Tahlheim ab. Die drei Schwestern könnten charakterlich nicht unterschiedlicher sein und dennoch gelingt es Brigitte Riebe, dass man für jede von ihnen eine tiefgründige Sympathie empfindet. So verfolgt man in diesem ersten Band der Trilogie die Geschichte von Rike, mit der man in allen Belangen mitfiebert – seien es die Entbehrungen der Nachkriegszeit, die beruflichen Pläne, oder das persönliche Glück. Es ist, als ob man in ihrem Kopf sitzt und alles mit ihr zusammen sieht, denkt und fühlt. Und dennoch schließt man ihre beiden Schwestern trotz der Verschiedenheit so sehr ins Herz, dass man es kaum erwarten kann, zu erfahren wie es im nächsten Teil weitergeht und was die nächste Schwester darüber denkt. 

Auch wenn man nach dem Lesen des ersten Teils für viele wichtige Fragen aus Rikes Leben am Ende eine Antwort erhält, so bleibt doch einiges offen. So wird sich einerseits zeigen müssen, ob die großen Pläne der Familie Früchte tragen und andererseits steht die Familie noch vor einigen weiteren Herausforderungen. Kurz gesagt: Man kann es eigentlich nur schlecht ertragen, dass der zweite Band noch so lange auf sich warten lässt.

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An dieser Stelle, an der mein Fazit stehen sollte, sage ich einfach „Wow“. Sie hat es mal wieder geschafft – eine Lieblingsautoren mit Bestand. Und diesen Titel erarbeitet sie sich mit jedem Buch neu!