Es war einmal… so beginnen fast alle Märchen, richtig. Und heute nehme ich euch mit auf eine besonders märchenhafte Reise, die euch durch den Zauberwald, durch Neverland, Wunderland und sogar in Aladins Reich führen wird. Walt Disney lässt grüßen, denkt ihr nun sicher… falsch gedacht! Nina MacKay hat die Märchen neu erfunden… Disney Reloaded im 21. Jahrhundert kann man sagen, während man auf Snow, Cinder, Rapunzel und Red trifft, die so herrliche Abenteuer erleben und dabei top aktuell und #onfleek den Trends der Zeit folgen. Da haben wir Snow als wahre Emanze, die ihre Gegner ohne mit der Wimper zu zucken niederstreckt; Cinder, die ohne ihr Deppenzepter,.. äh ihren Selfiestick niemals das Haus verlässt; Rapunzel und Rose, die … ach lasst euch überraschen, ich kann doch nicht alles verraten. Auf jeden Fall habe ich in den letzten zwei Wochen alle drei bisher erschienenen Romane der Reihe nahezu verschlungen und möchte euch heute einen kleinen Querschnitt geben. Ich warne daher vor eventuell auftretenden Spoilern 🙂 Lesen auf eigene Gefahr! Und im Zweifelsfall hat euch sowieso Spieglein alles verraten *hihi*

Rotkäppchen und der Hipster-Wolf

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute. An dieser Stelle beginnt Nina MacKays Reihe um die Märchenprinzessinnen. Doch Stop, so ganz stimmt das nicht, denn was tun die Mädels da? Sie erstellen eine “Verhöre-und-Töte”-Liste? Na das passt aber so gar nicht zu den lieblichen Prinzessinnen, die mit Vögeln reden und singend durch den Tag laufen. Aber ist es denn ein Wunder? Alle Happy Ends wurden gestohlen und die Prinzessinnen beschließen, ihre verlorenen Prinzen zu retten. Deshalb folgende Schritte, die mit sofortiger Wirkung eingeleitet werden: 1.Wölfe töten 2.Hexen töten 3.böse Stiefmütter töten (wobei das oft mit Punkt 2 einhergeht) 4.böse Feen töten Alle stürzen sich begeistert auf den Plan, bis auf Red – die einzige, die keinen Prinzen hat und somit nur aus Solidarität und Freundschaft auf Prinzensuche geht – und prompt mit ihrer alten Wolfsphobie konfrontiert wird, als ihr ein viel zu gut aussehender Hipster-Werwolf ins Netz geht, der noch dazu mehr über die verschwundenen Prinzen zu wissen scheint. Großes Problem: Nicht einmal die Chance auf Informationen reicht aus, um Snow von Punkt 1 der „Verhöre und Töte“ Liste abzubringen. So bleiben Red nur 7 Tage, um die Prinzen zu finden, bevor sie ihren Wolf Ever ausliefern soll. Doch wieso will dieser ihr überhaupt helfen? Und warum fallen Red auf einmal so viele gute Hipster-Witze ein? Ein Roadtrip der besonderen Art beginnt, der unsere Prinzessinnen quer durch die magischen Märchenreiche führen soll….

Aschenputtel und die Erbsen-Phobie

Klappentext „Spieglein möchte, dass wir ihn ab sofort ‚Whistle-Blower‘ nennen“, unterbricht Rose meine Gedanken, „schon gehört?“ ALLE HAPPY ENDS SIND IN GEFAHR! Reds Leben ist nicht gerade leichter geworden seit der Sache mit den verschwundenen Happy Ends und ihrer Reise nach Wonderland. Und nicht nur Red spürt die Nachwirkungen ihres letzten Abenteuers: Prinzessin Jasemin kocht vor Wut. Ein Krieg steht unmittelbar bevor! Red und ihrer Prinzessinnen-Gang bleibt keine Wahl – sie müssen die Hexen des Märchenwalds auf ihre Seite ziehen, denn die Angst vor der Märchen-Magie ist das Einzige, was die rachsüchtige Jasemin davon abhält, ins Land einzufallen. Zumindest kann relativ bald eine Liste an möglichen Kandidaten erstellt werden, die für die Rolle des verlorenen Kindes, das den Krieg entscheiden soll, infrage kommen: 1) Robin Hood 2) Goldmarie 3) Gretel 4) Der verrückte Hutmacher Nur leider kann Red nicht auf Evers Hilfe zählen, denn der möchte nach einem Zwischenfall Abstand zwischen sie beide bringen. Im Gegensatz zu Jaz, der hartnäckig daran arbeitet, Red von seiner Liebe zu überzeugen. Was ihm nicht so recht gelingen will, obwohl er nach Evers Verschwinden derjenige sein muss, der sie jede Nacht vor dem Fluch schützt. Doch dann naht die nächste Vollmond Nacht … Willkommen im Club der nicht ganz so anonymen Fluchgeschädigten.

Rapunzel und die Genmais-Protestbewegung

Red hat ein Problem. Ever ist tot und Jaz ist fort. Ganz im Gegenteil zur zombifizierten Bevölkerung des Märchenwalds, die mit der Büchse der Pandora in Kontakt kamen und Rapunzel dafür zur Verantwortung ziehen wollen. Und dann wäre da noch die Dreizehnte Fee, die Hexe Bane und Prinzessin Jasemin, die allesamt (und jeweils) Rache an Red und ihrer Gang geschworen haben. Glücklicherweise haben Red und Rapunzel da einen Plan. Also fast. Beinahe jedenfalls. Dank Spieglein sind immerhin schnell vier Möglichkeiten identifiziert, wie man Ever aus seinem tödlichen Schlaf zurückholen könnte. Was das genau mit Youtube-Challenges, Genmais, einem Mettigel, sowie der Goldenen Gans und ihrer Flohtox-Drogenküche zu tun hat? Außerdem bliebe da noch die Frage, wie man das Verlorene Kind zurückbekommt. Vielleicht kann da der sagenumwobene achte Zwerg helfen? Red und Rapunzel haben da wie gesagt beinahe einen Plan!

Meine Meinung zur Buchreihe:

Märchen gehen immer und zu jeder Zeit, so war schon immer meine Devise. Spätestens seit der tollen Serie Once upon a Time wusste ich, dass ich auch durchaus für Märchenadaptionen empfänglich bin und habe mich sehr gefreut, als ich auf Nina MacKays Reihe gestoßen bin.  Eins vorweg: Die Reihe polarisiert definitiv! Man wird sie lieben oder „hassen“, für Grauzonen ist meiner Meinung nach nicht viel Platz. Denn eines ist sicher: Unsere traditionellen Märchenfiguren werden wir definitiv nicht wieder erkennen, mal abgesehen vom Namen und einigen typischen äußerlichen Merkmalen. Vielmehr fühlt man sich in einer Art Zeitschleife gefangen, in der die traditionellen Figuren auf unser 21. Jahrhundert treffen und sich damit wunderbar arrangiert haben. Instagram, Snapchat und Follower sowie die bestmögliche Reichweite bestimmen das Leben unserer Influencer-Prinzessinnen, deren Leben arg langweilig ist, nachdem sie ihr Happy End bekommen haben. Playstation zockende und Fastfood futternde Prinzen tragen dabei nicht unbedingt zu Verbesserung der Situation bei – schon gar nicht, als sie eines Tages entführt wurden und ihre Prinzessinnen sich auf das Himmelfahrtskommando der Rettung begeben.  Mit einer ordentlichen Portion Ironie und Sarkasmus gehen die Ladys dabei vor und handeln nicht gerade mädchenhaft. Ohne mit der Wimper zu zucken werden Widersacher ausgeschaltet oder kämpferisch niedergestreckt, begleitet von absolut brillantem und oftmals tiefschwarzem Humor, der mich vom ersten Satz an zu begeistern vermochte. Ich liebe jede einzelne der Prinzessinnen mit ihren Besonderheiten und ihrem Auftreten, ganz egal ob es die ruppige Snow ist oder die träumerische Rose. Besonders ins Herz geschlossen habe ich aber auch die Antihelden – allen voran die flohtoxsüchtigen Hexen, Pan und Jaz aka Hook *hach*, die im Inneren oft ganz schön mutig sein und über den einen oder anderen Schatten springen müssen. Über allem schwebt immer das große Ganze – nämlich das Happy End. Sei es der Zurückgewinn der Prinzen, die Rache an einer Feindin, das Sichern des eigenen Überlebens – immer geht es um Kopf und Kragen. Dabei dürfen auch Feinde nicht fehlen, die natürlich auch aus den Tiefen der Märchenbüchern entflohen sind. Aus Freunden werden Feinde, aus Feinden Freunde und oft sind es die, von denen man es am wenigsten erwartet, die am Ende für die Auflösung sorgen und Größe beweisen.  Ich liebe die Atmosphäre, die Nina MacKay geschaffen hat, indem sie die verschiedenen Märchenreiche mit ihren Besonderheiten ineinander übergehen lässt. Ich liebe die Figuren, die einen großen Wiedererkennungswert haben und auch ein wenig zur Selbstreflexion  auffordern. Ich liebe die Action, den Humor, den Plot, die lockere Schreibe. Ich liebe Gretel und die Meerschweinchen, ich liebe den Mettigel, die Affen,… Und ich liebe es, dass die Prinzen doch nicht so prinzenhaft sind, wie sie immer dargestellt werden. Im Gegensatz dazu liebe ich, dass unsere Prinzessinnen keine passiven Dummchen sind, sondern aus dieser Deppenschublade ganz schnell herausgeholt und in die Realität katapultiert werden. Die damit einhergehende Entwicklung jedes einzelnen Charakters ist dabei einfach nur zauberhaft.  Ein Hauch von Gesellschaftskritik (ich sage nur: die Hexen; die Teufelchallenge, die doch sehr ans Dschungelcamp erinnert, die Selbstdarstellung in den Medien, die Hipster, …) trifft auf zum Brüllen herrlichen Humor, Wortwitz, Sarkasmus und Ironie. Das Ganze angesiedelt in einer magische- verrückt-schönen Umgebung und gespickt mit einer Sammlung drolliger, lustiger, herzlicher, böser und abscheulicher Charaktere… Schon hat man ein perfekt unterhaltendes Endergebnis: Ein Potpourri, märchenhaft bunt wie ein Knallbonbon, das hoffentlich sehr bald fortgesetzt wird! Danke, für diese besondere und brillante Unterhaltung, liebe Nina MacKay!